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Zahnziehen beim Schmied (zu Paracelsus Zeiten,
vor 500 Jahren)
2003: Erika Röthlisberger
Entstehungsgeschichte
Anlässlich
eines Kinder-Camps liessen sich einige, Kinder und erwachsene Teilnehmende,
aufgrund der erzählten Geschichte über das Leben und Wirken
von Paracelsus inspirieren (siehe Atelier 6, Vorbilder). Mit viel Freude
entstand ohne langes Einstudieren, einfach ganz spontan und in Kürze
ein Theater. Man verwendete an Theaterutensilien, was im Haushalt gerade
so vorhanden war. In dieser Einfachheit, eingebettet in grosser Herzensfreude
wurde das „Spontan-Theater“ ein unvergessliches Erlebnis,
das sich wiederholen lässt.
Kleines Drehbuch
Zutaten
- Herzensfreude für die erzählte Geschichte
- Einfachheit bezüglich Theater-Utensilien zum Spielen
- Spontaneität der Theaterspielenden
Rollenverteilung
| Rollen |
Verkleidungs-Utensilien |
| Der Dorfschmied |
Weisses Hemd / Küchenschürze,
Grillzange zum „Zahnziehen“ |
| Seine Frau |
Kopftuch |
| Die beiden Söhne |
Salat-Löcherbecken zum Auffangen
der „gezogenen Zähne“ Küchentuch zum Abtupfen
des „Blutes“ nach dem Ziehen |
| 1. Patient zum Zeigen wie es geht |
Kopftuch |
| Musik |
Musikalische Begleitung mit Gitarre |
| Moderation |
Schwingbesen als Mikrophon, Kamera |
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Vorbereitungen
a) ½ - 2 Tage vor Aufführung
Die Leute melden sich für die Rollen.
Alle, auch die für Moderation, Musik,
Fotographieren, Filmen zuständigen,
tragen ihre ausgewählte Rolle in ihren
Herzen und Köpfen. Bis zum
Aufführungstermin wissen alle, welche
„Werkzeuge“ wie Grillzange,
Salat-Löcherbecken, Küchenschürze,
Kopftuch usw. sie zum Spielen haben
werden und wie sie sich in ihrer Rolle darbieten
werden.
b) Aufführungtermin
Der Dorfschmied mit Familie bereitet sich hinter der Bühne
vor.
Ein Stuhl für den Gitarrespieler wird auf der Bühne
eingerichtet.
Die Moderatorin ruft die Durchführung des Theaters aus
und lässt die Leute vor
dem Haus auf der Bank oder im Gras
sich setzen.
Bei mehrsprachigem Publikum ist auch die übersetzende Person
bereit.
Aufführung
Ansage Moderatorin
„Liebe Leute, sie sehen jetzt das Spontantheater vom Schmied und
wie man im Mittelalter den Leuten die Zähne gezogen hat. Gleich
kommt der Schmied mit seiner Familie auf den Vorplatz. Er wird an einem
äusserst mutigen Patienten aufzeigen, wie das Zähneziehen
praktiziert wurde. Anschliessend besteht für euch alle die Gelegenheit,
sich ebenfalls einer Behandlung zu unterziehen. Zögert nicht, der
Schmied tut diese Arbeit mit grosser Herzensfreude, ihr seht es ihm
gleich an. Die Vorstellung beginnt.“
Theater
Das Theater folgt mit nur ganz wenig Worten, doch mit grossem Einsatz
von theatralischen Gebärden und in allen Sprachen verständlichen
Lauten wie „Au“, „Oh“ usw. Einzig des Schmiedes
Frau wiederholt insbrünstig und freudig einen Satz von dem Geld,
das durch die Arbeit ihres Mannes eingeht. Sie verdreht auch entsprechend
die Augen. Köstlich zuzusehen und das ganze auch noch stehend,
kniend, liegend, wie es halt von der Perspektive am interessantesten
ist.
Der
erste Patient trottet, schlotternd vor Angst und zitternd vor Schmerzen,
zu seinem „Martyrer“. Der Schmied ergötzt sich mit Leib
und Seele an seiner liebsten Arbeit, dem Zahnziehen, und schwingt seine
Zange in der Luft. Die beiden Söhne erwarten mit ihrem bereitgehaltenen
Salat-Löcherbecken gespannt den gezogenen Zahn und darauf, endlich
mit dem Küchentuch das dann aus dem Zahnloch herausspritzende „Blut“
abzutupfen. Die begleitende Musik der Gitarren trägt das Ihre zu
der spannungsgeladenen Situation bei. Dann endlich, der Zahn ist gezogen,
der Patient ist sichtlich erleichtert.
Im Publikum wird nach den nächsten Patienten gefragt. Tatsächlich,
eine Patientin steht auf, sie hat ihre rote Jacke um den Kopf gebunden.
Eine weitere Patientin wagt es, auch ihrerseits beim Dorfschmied einen
hohlen Zahn ziehen zu lassen. Das köstliche Amüsement kann
also noch weitergehen. Es wird gespielt und gelacht, was das Zeug hält.
Das tolle Publikum hat eine Vorstellung mit hervorragenden Spontan-Schauspielerinnen
und -Schauspielern. Die zweite Patientin bedankt sich zum Abschluss
mit einem Blümlein, damit die Rechnung hoffentlich nicht so hoch
komme.
Danach
will leider niemand mehr offen einen hohlen Zahn zugeben, denn kein
Mensch meldet sich nach dem Zusehen dieser Tortur mehr. So war es wohl
auch zu Zeiten des Mittelalters, nehmen wir an. Mit Musik und Gesang
wird der theatralische Einsatz abgeschlossen.
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