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...die Natur mit den Augen des Herzens erleben...
Es ist dunkel, kurz vor Beginn der Morgendämmerung. Zwei Freunde
mit ihren Kindern stehen auf Bergeshöhe unter der Kuppel des
Sternenhimmels. Die Mondsichel ist hell und klar im dunkelblauen Firmament
zu erkennen. Ein leiser, kühler Bergwind weht. Die Zeit ist noch
nicht gekommen. Noch gilt es zu warten. Sie lauschen schweigend, in
stiller Zwiesprache des Herzens. Sie beobachten den einen Punkt, wo
die Sonne in Kürze aufgehen wird. Jede Veränderung des Dämmerlichts
nehmen sie staunend wahr. Dann, endlich, der erste Streifen vom roten
Feuerball am Horizont. Keinen Augenblick lassen sie ihn nun mehr aus
den Augen. Er wird grösser von Minute zu Minute. Und plötzlich
ist er da, der ganze herrliche Feuerball Sonne. Mit leuchtenden Augen
und bebenden Herzens erleben die fast unbeschreibliche Schönheit
dieses herrlichen Naturschauspiels.
 ied
der Sonne
Ich bin die Mutter Sonne, und trage die Erde bei Nacht, die Erde bei
Tage.
Ich halte sie fest und strahle sie an, dass alles auf ihr wachsen
kann,
Stein und Blume, Mensch und Tier, alles empfängt sein Licht von
mir.
Tu auf dein Herz wie ein Becherlein,
denn ich will auch scheinen auch dort hinein!
Tu auf dein Herzlein, liebes Kind, dass wir e i n Licht zusammen
sind!
Christian Morgenstern
* S t i l l e *
S t i l l e * S t i l l e *
n
früheren Kulturepochen hatten wir Menschen zu den Bäumen auch
eine engere Beziehung als heute. Oft stand eine Linde in der Mitte des
Dorfes. Sie war Treffpunkt und Gerichtsstätte zugleich. Von ihren
Blüten bereiten wir uns auch heute noch gern den erkältungslindernden
Tee zu.
Die keltischen Druiden hatten keine Bücher. Sie benötigten
solche nicht, denn der Wald und die Natur selbst war ihr Buch.
Jedes Kräutlein, jeder Baum, jedes Tier, jeder Stein, sei er gross
oder klein, jedes Gewässer war voller Zeichen, Informationen und
Offenbarungen. Alle diese mit der Klarheit des Geistes entdeckten Botschaften
trugen sie in ihren Herzen. Das Existieren der Elfen, Baumfeen und Waldgötter
war für sie ein natürlicher, alltäglicher Umgang. Sie
näherten sich jeder Pflanze mit Ehrerbietung und Dankbarkeit. Die
Pflanzen belohnten sie mit der Offenbarung ihrer Geheimnisse.
Bekanntlich hatten grosse Lehrer wie Franz von Assisi eine innige Beziehung
zu Tieren und Vögeln. Alte Legenden erzählen, dass diese Grossen
einen Vogel rufen konnten, so dass er sich auf ihren Arm setzte und
anschliessend konnten sie ihn in eine bestimmte Richtung fliegen lassen.
Jeden Tag, von Frühling bis Herbst, zu Beginn der Morgendämmerung,
bieten diese gefiederten Boten des Himmels ihren Gesang wie ein Gebet
an den Herrn dar. Die Morgendämmerung ist die heiligste Zeit des
Tages und eignet sich vorzüglich, sich in meditativer Weise auf
den Tag vorzubereiten, wie es zB in Klöstern geschieht.
teine, Berge, Quellen,
Seen, Meere, Wälder, Wiesen, Pflanzen, Bäume, Sonne, Mond
und Sterne, die ganze Natur ist Grundlage unseres Bestehens, unserer
Entwicklung, unserer Gesundheit. Hegen wir genug Dankbarkeit dafür
und richten uns nach ihren Gesetzen? Heute
kann man einiges von dem, was man früher als Wunder ansah, wissenschaftlich
erklären, wie zB die Photosynthese. Photosynthese bedeutet, die
Pflanzen können selbst Nährstoffe produzieren. Sie fangen
mit ihren Blättern die Sonnenenergie ein und nutzen sie, indem
sie damit ihre Nährstoffe erzeugen. Ohne Pflanzen könnten
wir nicht atmen noch hätten wir etwas zu essen. Durch die Photosynthese
geschieht denn auch der Vorgang der Umwandlung von Kohlenstoff in Sauerstoff,
die frische Luft für unseren Atem. Auf der Unterseite jedes einzelnen
Blattes öffnen und schliessen sich eine Million Lippen, nehmen
Kohlendioxid auf und geben Sauerstoff ab. Vierzig Millionen Quadratkilometer
Blattoberfläche sind Tag für Tag damit beschäftigt, das
Wunder der Photosynthese zu vollbringen, um Menschen und Tiere mit Sauerstoff
zu versorgen. Das ist das wertvolle Geschenk der Natur, der eigentliche
Nährboden menschlichen Lebens.
Trotz den Umweltschäden, die wir angerichtet haben, hat die Natur
nichts von ihrer bezaubernden Schönheit, Heilkraft und Quelle der
Inspiration verloren. Wenn wir mit offenen Augen und offenem Herzen
hinschauen, gibt es jederzeit viel zu bestaunen,  bei
den Zimmer-pflanzen, den Pflanzen vor der Haustür, in den nahe-gelegenen
Wiesen, Wäldern, Seen bis hin zu den hohen Bergen und den weiten
Meeren.
Luft, Licht und Sonne wirken überaus gesundheits- fördernd
auf den ganzen Organismus. Bei jeder Witterung täglich eine Stunde
in die Natur hinausgehen und dabei auf ihre Schönheiten achten
und sie betrachten, anstatt nur rasch daran vorbeizulaufen, hat eine
besondere Qualität. Durch das Grün der Wiesen und Felder gehen,
durch die Stille der Wälder oder durch einen weissen Wintertag,
wirkt erfrischend, herrlich durchlüftend auf das Gehirn und stärkend
für Herz und Nerven. Von anstrengender Arbeit müde, lässt
sich in der Natur als Quell der Stärke wundervoll ausruhen und
auftanken. Inmitten der Schönheit, welche einen hierin umgibt,
lässt einen auch manche Unannehmlichkeit vergessen. Diese Magie
der Natur ist wie ein heilender Balsam.
Mit Kindern hinausgehen, im Wald auf einer mit Moos
bedeckten Waldlichtung mit Ästchen,
Blättern, Tannzapfen bauen und formen, dazu eigenes Theater erfinden,
herrlich. Natur-Schauspiele kreieren mit dem, was an Ort zu finden ist,
fördert nicht nur die Kreativität bei Jung und Alt, es ist
auch insgesamt wohltuend und lehrreich.
Gesichter entdecken in Bergen, Felsen, Steinen, das funktioniert nur,
wenn wir uns die Zeit nehmen und mit wirklich offenem Blick staunend
Neues gewahren. Einen Stein betrachten, bis er seine Botschaft, sein
Gesicht uns zeigt. Ist das nicht ein erhabenes Geschenk?
„  rde,
ich spüre dich, leise berühr ich dich.
Duldest den Menschenfuss, spürst meinen Liebesgruss
Schenkst mir die Heimat hier, Erde, ich danke dir.“
Autor unbekannt
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Quellen
- Storl, Wolf-Dieter:
Pflanzen der Kelten. AT Verlag. ISBN 3-85502-705-6
- Tompkins Peter,
Bird Christopher: Das geheime Leben der Pflanzen. Scherz Verlag.
ISBN 3-596-21977-9
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