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    Natur
Atelier 3
   
   
...die Natur mit den Augen des Herzens erleben...

Es ist dunkel, kurz vor Beginn der Morgendämmerung. Zwei Freunde mit ihren Kindern stehen auf Bergeshöhe unter der Kuppel des Sternenhimmels. Die Mondsichel ist hell und klar im dunkelblauen Firmament zu erkennen. Ein leiser, kühler Bergwind weht. Die Zeit ist noch nicht gekommen. Noch gilt es zu warten. Sie lauschen schweigend, in stiller Zwiesprache des Herzens. Sie beobachten den einen Punkt, wo die Sonne in Kürze aufgehen wird. Jede Veränderung des Dämmerlichts nehmen sie staunend wahr. Dann, endlich, der erste Streifen vom roten Feuerball am Horizont. Keinen Augenblick lassen sie ihn nun mehr aus den Augen. Er wird grösser von Minute zu Minute. Und plötzlich ist er da, der ganze herrliche Feuerball Sonne. Mit leuchtenden Augen und bebenden Herzens erleben die fast unbeschreibliche Schönheit dieses herrlichen Naturschauspiels.

Lied der Sonne
Ich bin die Mutter Sonne, und trage die Erde bei Nacht, die Erde bei Tage.
Ich halte sie fest und strahle sie an, dass alles auf ihr wachsen kann,
Stein und Blume, Mensch und Tier, alles empfängt sein Licht von mir.
Tu auf dein Herz wie ein Becherlein,
denn ich will auch scheinen auch dort hinein!
Tu auf dein Herzlein, liebes Kind, dass wir e i n Licht  zusammen sind!

Christian Morgenstern           

*   S t i l l e   *   S t i l l e   *   S t i l l e   *

In früheren Kulturepochen hatten wir Menschen zu den Bäumen auch eine engere Beziehung als heute. Oft stand eine Linde in der Mitte des Dorfes. Sie war Treffpunkt und Gerichtsstätte zugleich. Von ihren Blüten bereiten wir uns auch heute noch gern den erkältungslindernden Tee zu.
Die keltischen Druiden hatten keine Bücher. Sie benötigten solche nicht, denn der Wald und die Natur selbst war ihr Buch. Jedes Kräutlein, jeder Baum, jedes Tier, jeder Stein, sei er gross oder klein, jedes Gewässer war voller Zeichen, Informationen und Offenbarungen. Alle diese mit der Klarheit des Geistes entdeckten Botschaften trugen sie in ihren Herzen. Das Existieren der Elfen, Baumfeen und Waldgötter war für sie ein natürlicher, alltäglicher Umgang. Sie näherten sich jeder Pflanze mit Ehrerbietung und Dankbarkeit. Die Pflanzen belohnten sie mit der Offenbarung ihrer Geheimnisse.
Bekanntlich hatten grosse Lehrer wie Franz von Assisi eine innige Beziehung zu Tieren und Vögeln. Alte Legenden erzählen, dass diese Grossen einen Vogel rufen konnten, so dass er sich auf ihren Arm setzte und anschliessend konnten sie ihn in eine bestimmte Richtung fliegen lassen. Jeden Tag, von Frühling bis Herbst, zu Beginn der Morgendämmerung, bieten diese gefiederten Boten des Himmels ihren Gesang wie ein Gebet an den Herrn dar. Die Morgendämmerung ist die heiligste Zeit des Tages und eignet sich vorzüglich, sich in meditativer Weise auf den Tag vorzubereiten, wie es zB in Klöstern geschieht.


steine, Berge, Quellen, Seen, Meere, Wälder, Wiesen, Pflanzen, Bäume, Sonne, Mond und Sterne, die ganze Natur ist Grundlage unseres Bestehens, unserer Entwicklung, unserer Gesundheit. Hegen wir genug Dankbarkeit dafür und richten uns nach ihren Gesetzen? FarnHeute kann man einiges von dem, was man früher als Wunder ansah, wissenschaftlich erklären, wie zB die Photosynthese. Photosynthese bedeutet, die Pflanzen können selbst Nährstoffe produzieren. Sie fangen mit ihren Blättern die Sonnenenergie ein und nutzen sie, indem sie damit ihre Nährstoffe erzeugen. Ohne Pflanzen könnten wir nicht atmen noch hätten wir etwas zu essen. Durch die Photosynthese geschieht denn auch der Vorgang der Umwandlung von Kohlenstoff in Sauerstoff, die frische Luft für unseren Atem. Auf der Unterseite jedes einzelnen Blattes öffnen und schliessen sich eine Million Lippen, nehmen Kohlendioxid auf und geben Sauerstoff ab. Vierzig Millionen Quadratkilometer Blattoberfläche sind Tag für Tag damit beschäftigt, das Wunder der Photosynthese zu vollbringen, um Menschen und Tiere mit Sauerstoff zu versorgen. Das ist das wertvolle Geschenk der Natur, der eigentliche Nährboden menschlichen Lebens.


Trotz den Umweltschäden, die wir angerichtet haben, hat die Natur nichts von ihrer bezaubernden Schönheit, Heilkraft und Quelle der Inspiration verloren. Wenn wir mit offenen Augen und offenem Herzen hinschauen, gibt es jederzeit viel zu bestaunen, Wiesenblumenbei den Zimmer-pflanzen, den Pflanzen vor der Haustür, in den nahe-gelegenen Wiesen, Wäldern, Seen bis hin zu den hohen Bergen und den weiten Meeren.
Luft, Licht und Sonne wirken überaus gesundheits- fördernd auf den ganzen Organismus. Bei jeder Witterung täglich eine Stunde in die Natur hinausgehen und dabei auf ihre Schönheiten achten und sie betrachten, anstatt nur rasch daran vorbeizulaufen, hat eine besondere Qualität. Durch das Grün der Wiesen und Felder gehen, durch die Stille der Wälder oder durch einen weissen Wintertag, wirkt erfrischend, herrlich durchlüftend auf das Gehirn und stärkend für Herz und Nerven. Von anstrengender Arbeit müde, lässt sich in der Natur als Quell der Stärke wundervoll ausruhen und auftanken. Inmitten der Schönheit, welche einen hierin umgibt, lässt einen auch manche Unannehmlichkeit vergessen. Diese Magie der Natur ist wie ein heilender Balsam.

Mit Kindern hinausgehen, im Wald auf einer mit Moos bedeckten Waldlichtung mit Ästchen,Bergbach Blättern, Tannzapfen bauen und formen, dazu eigenes Theater erfinden, herrlich. Natur-Schauspiele kreieren mit dem, was an Ort zu finden ist, fördert nicht nur die Kreativität bei Jung und Alt, es ist auch insgesamt wohltuend und lehrreich.
Gesichter entdecken in Bergen, Felsen, Steinen, das funktioniert nur, wenn wir uns die Zeit nehmen und mit wirklich offenem Blick staunend Neues gewahren. Einen Stein betrachten, bis er seine Botschaft, sein Gesicht uns zeigt. Ist das nicht ein erhabenes Geschenk?


erde, ich spüre dich, leise berühr ich dich.
Duldest den Menschenfuss, spürst meinen Liebesgruss
Schenkst mir die Heimat hier, Erde, ich danke dir.“
Autor unbekannt                      


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Quellen
     -    Storl, Wolf-Dieter: Pflanzen der Kelten. AT Verlag. ISBN 3-85502-705-6
     -    Tompkins Peter, Bird Christopher: Das geheime Leben der Pflanzen. Scherz Verlag.
           ISBN 3-596-21977-9

 

 

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